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Sommer 2017

Claudia Gabler

Ich werde ganz verrückt, wenn ich an Bordeaux denke, oder an Lima. Es gibt da nur eins: Entweder du bleibst in dem Café sitzen, in dem dir beinah mal die Handtasche geklaut worden ist, und saugst an deinem Strohhalm, oder du gehst raus auf die Straße und nimmst in Kauf, daß du trotz der Glut in deinem Kopf völlig durchweicht bist am Abend und zitterst.

Dann wieder nimmst du eine Teekanne in die Hand und kannst nicht glauben, wie sehr dich ihre Form glücklich macht. Daß man in Momenten der Unentschiedenheit und der Blasphemie die Vitrine öffnen und mit totaler Entzückung die Komposition der Gläser und Tassen schauen muß wie einst einer auf einen Berg stieg und als kluger Mann wieder herunterkam, weil er endlich von seiner Schaulust geheilt war und von jetzt an in der Lage, seinen Blick zu seiner Seele zu richten.

Habe ich dir übrigens von der Wimper erzählt, die mir neulich in ein Wasserglas fiel?

 

Claudia Gabler, Ich werde ganz verrückt, aus: Die kleinen Raubtiere unter ihrem Pelz. Gedichte, Rimbaud Verlag, Aachen 2008, S. 11

 
 
 

retrospective

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