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winter 2012

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

es ist wieder soweit: Der elfte Turnus unseres Stipendienprogrammes ist ausgeschrieben und wir haben rund 150 Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern aus Hessen vorliegen. Für die Vergabe der acht Reise- und sechs Atelierstipendien 2013 / 14, über die im November beraten werden wird, möchten wir Ihnen an dieser Stelle die Jury vorstellen. Es sind dies der Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, Dr. Ralf Beil, Anja Casser, die Direktorin des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe, der Direktor des Kölnischen Kunstvereins Søren Grammel, desweiteren Elke Gruhn, Leiterin des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden sowie Alice Koegel, sie ist Kuratorin für Gegenwartskunst an der Staatsgalerie Stuttgart. Wir freuen uns auf einen anregenden Diskussions- und Entscheidungsprozess!

Selbstverständlich haben wir für die kommende Winterzeit auch ein, wie wir hoffen, interessantes und vielseitiges Paket aus unseren aktuellen Veranstaltungs- und Ankaufsförderungen für Sie geschnürt.

Das Historische Museum Frankfurt beispielsweise hat vor wenigen Wochen den ersten Bauabschnitt im Rahmen seiner kompletten Erneuerung wieder eröffnet. Das 800 Jahre alte Saalhof-Ensemble mit Rententurm und Stauferbau wurde saniert und zum Teil erstmals als Ausstellungsfläche erschlossen. Zu den kostbarsten Beständen der Stadt- und Museumsgeschichte zählen die seit dem 16. Jahrhundert zusammengetragenen Universalsammlungen Frankfurter Bürgerinnen und Bürger. Eines der Prunkstücke dieser Abteilung, der um 1504 von einem unbekannten Frankfurter gestiftete Annenaltar, kann jetzt durch den Rückkauf einer verlorenen Tafel wieder in seiner Gesamtheit präsentiert werden.

Einem anderen berühmten Unbekannten widmet sich im November und Dezember ebenfalls in Frankfurt ein breites institutionelles Bündnis: Der Filmer, Fotograf und Performancepionier Jack Smith stand in den 1960 und 1970er Jahren im Zentrum des New Yorker Undergroundcinema und war eigentlich, nach Aussagen seiner zahlreichen Fans, „the real Warhol“. Zeitgenössischen und nachfolgenden Künstlerkolleginnen und -kollegen ist Smith und sein opulentes Werk nie abhanden gekommen; für eine größere Öffentlichkeit und Neubewertung sorgt jetzt das Jack Smith-Festival, Extra Trouble garantiert.

Mit einem Ausflug in geruhsamere Winterlandschaften können Sie zwei weitere Besichtigungen verbinden: Das Museum Bad Arolsen zeigt eine Neuerwerbung für seine Sammlung zu Wilhelm von Kaulbach; der Maler des Spätklassizismus und Historismus war ein Kind der Stadt, ihm ist dort ein Museumsdepartment gewidmet.

Aus frühen feministischen Wurzeln gewachsen ist das noch heute bestehende Bildungsinstitut Loheland in der hessischen Rhön. Schon seit den 1920er Jahren unterrichtet die von Louise Langgaard und Hedwig von Rohden initiierte ganzheitliche Lebens- und Schulgemeinschaft Frauen und Männer in Bewegungstherapie, Sozialpädagogik, Tanz und anderen künstlerischen Praktiken. Die Kunststation Kleinsassen zeigt zurzeit eine Ausstellung mit Werken von Langgaard, die ihre damals noch umstrittende Ausbildung als Künstlerin und Zeichenlehrerin in das reformpädagogisch-anthroposophische Gründungskonzept der Ausbildungsstätte einfließen ließ.

Mit Geschlechterdiskursen der Gegenwart beschäftigt sich unsere Stipendiatin Nadine Fraczkowski. Die Fotografin hat in den USA Projekte und Netzwerke von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queers (LGBTIQ) künstlerisch begleitet. Im Interview berichtet Nadine Fraczkowski von ihren Reiseerfahrungen.

Es bleibt, Ihnen eine gute Winter- und Weihnachtszeit zu wünschen.

Ihre
Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

retrospective

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