bewegung und anmut

„Morgen bestehe ich eine schreckliche Probe von Contenance“, schreibt Kronprinz Friedrich Wilhelm 1819 an seine Schwester Charlotte. Es sind die Töchter des bayerischen Königs Maximilian, die den Preußen um Fassung ringen lassen. Er höre täglich so viel Göttliches über sie, dass ihm die Haare ob der Angst zu Berge stünden. Wenig später skizziert er ein schwärmerisches Portrait der Elisabeth Ludovica von Bayern: „Ein liebliches eirundes anmutiges Antlitz, Augen so klar wie der neapolitanische Himmel, schwarze Brauen, dunkles Haar, dabei ein Anstand, wie ich ihn träumen kann – also Hilfe, Hilfe!“

Das Marmorrelief Christian Daniel Rauchs mit dem Profil Elisabeths vermittelt einen lebendigen Eindruck von jener Anmut, die den Kronprinzen in Verzückung versetzte. Es entstand zwischen 1834 und 1837, also bereits kurz nach ihrer Heirat, und wurde nun für das Christian-Daniel-Rauch-Museum in Bad Arolsen angekauft.

Das Porträt begeistert durch die spannungsvolle Beziehung der erhabenen Figur und des fein geschnittenen, klassischen Profils. Vor einer Lichtquelle tritt dieser Effekt noch deutlicher zutage: Dank des fast durchscheinend gearbeiteten Marmors wirkt der Umriss Elisabeths wie mit Licht gezeichnet und vermittelt eine ätherische Lebendigkeit, die in der anmutigen Bewegung der Hand mit dem Maiglöckchen einen Widerhall findet. In diesem Bezug von Hand, Auge und Nase deuten sich Gefühle an. Anmut sei Schönheit in Bewegung, lässt sich Friedrich Schiller paraphrasieren. Innere Bewegtheit, die sich auf der Oberfläche des Körpers, in seiner Dynamik ausdrückt, beschreibt als Anmut eine zentrale Kategorie weiblicher und jugendlicher Repräsentation in der klassizistischen Skulptur.

  • Christian Daniel Rauch-Museum
  • Portraitrelief der Kronprinzessin Elisabeth von Preußen
  • Schloßstraße 30, 34454 Bad Arolsen
  • Telefon +49 5691 625734
  • Mi–Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr
  • www.museum-bad-arolsen.de