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„Ein ‚Programm‘ im spießbürgerlichen Sinne des Wortes haben wir nicht“, stellen die Herausgeber der Jugend 1896 in der Erstausgabe der reich illustrierten, begriffsbildenden Zeitschrift des Jugendstils, die bis 1940 erschien, fest. Nein, man wolle „alles besprechen und illustrieren, was interessant ist, was die Geister bewegt“ und was „schön, gut, charakteristisch, flott und – echt künstlerisch ist“.

Als dieses auf Avantgarde gebürstete Konzept im ersten Heft der Jugend sich dazu anschickt, mit kulturkritischen, ironischen Tönen, Formen und einer neuen Ästhetik die Jahrhundertwende zu begleiten, war der Keramiker und Maler Christian Neureuther (1868–1921) schon von seinen Fortbildungssemestern an der
Königlichen Kunstgewerbeschule in München nach Brachttal-Schlierbach an seine Ausbildungsstätte in der Wächtersbacher Steingutfabrik zurückgekehrt. Es folgen weitere Bildungsreisen und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe für die 1901 erstmals dort stattfindende Ausstellung Ein Dokument Deutscher Kunst. Im Anschluss daran gründete Neureuther das Keramische Atelier Wächtersbach, das international bekannt werden sollte.

Ab 1902 steuert Christian Neureuther florale und ornamentale grafische Entwürfe für Bordüren und Vignetten für die Zeitschrift Jugend bei; so auch 1904 einen Entwurf für eine Vase mit Laufglasur und eingestellten Blumen. Die Vase, deren Brandglasur in Blau und Grün verlaufenden Schlieren über die Begrenzung fließt, macht das lebendige, vibrierende Farbenspiel plastisch, das Zeitgenossen an den Arbeiten Christian Neureuthers bewunderten. Die feinfingrigen Blätter der Kosmeen umfassen die an sym­metrisch angelegten Stängeln aufgeschwungenen Blüten der Schmuckkörbchen. Beides, die kunstvoll eingesetzte Lasurtechnik und die ornamental angeordneten floralen Motive, sind Markenzeichen des „Wächtersbacher Jugendstils“ von Christian Neureuther. Man darf sagen, dass Neureuther die programmatischen Ideen der Jugend in Wächtersbach auf die Keramik anwandte: „Echt künstlerisch und neu“ sollten auch die Entwürfe des von ihm geleiteten Keramischen Ateliers sein.

Mit großem Engagement bringt der Museums- und Geschichtsverein Brachttal nun anlässlich des 150. Geburtstags Neureuthers eine Monografie des Keramikers und Künstlers heraus.

  • Museums- und Geschichtsverein Brachttal
  • Wächtersbacher Steingut – Christian Neureuther
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