Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert
Alexej von Jawlensky: Bahnhof-Füssen im März, 1905 ©

Endbahnhof

Es ist das Jahr 1905, März und Tauwetter. Ein Zug mit letztem Halt Bahnhof Füssen bringt einen Künstler aus München in die bayerische Provinz. Moderne ästhetische Ideen hat er auf die Reise mitgenommen, die ihre Umsetzung an reizvollen Motiven am Zielort finden. Der Künstler ist Alexej von Jawlensky, ein nach neuen Lösungen suchender Maler, dessen hier vorgestellte Komposition nicht seine einzige künstlerische Hervorbringung in Füssen ist, wohl aber die bedeutendste: Bahnhof-Füssen im März. Eine markante Ausnahmeerscheinung – in Ausdruck und Gestalt hat sie was von Pariser Avantgarde; sie bietet eine gewisse postimpressionistische Wirkung. Aus ihrer Affinität zu van Gogh macht sie kein Geheimnis. Sie tritt mit einer geradezu strengen Präsenz auf: Drei horizontale Farbbänder in variierten gestrichelten Texturen legen sich über ihre Gestalt. Nichts an ihr ist starr, und doch ist alles geordnet. Wo die Gleise des Provinzbahnhofs wie nicht auserzählte Geschichten im Gelände enden, steht sie für Wegweisendes. Man wird über sie sagen, dass sie ihn mit ihrer unaufgeregten Flächigkeit und dem lebhaft aufgetragenen Kolorit in eine neue Phase geführt hat. Jawlenskys Weg zum Expressionismus erzählt sich wie eine lange Zugfahrt, die nicht auf den Sackgleisen in Füssen endet. Auf Haupt- und Nebenstrecken gelangt er um 1910 zu seinem unverwechselbaren Stil. Impulsgeber wie van Gogh teilen mit ihm ein Stück des Weges, eröffnen ihm entlang der Route neue Horizonte in der Malerei, bevor sie an einer nächsten Station wieder aus seinem Blickfeld verschwinden. 

Immer in der Familie des Künstlers verblieben, ist die Zeugin seiner malerischen Entwicklung gleichwohl weit gereist, mit Stationen etwa in Paris, St. Petersburg und Malaga, wo sie als schillernde Übergangsgestalt eine wichtige Etappe in seinem Werk vorstellte. Es ist das Jahr 2026, Ankunft aus Locarno – sie ist gekommen, um in die Sammlung des Museums Wiesbaden aufgenommen zu werden. Jenen bedeutsamen Moment im März 1905 wird sie im Rahmen des großen Werks Alexej von Jawlenskys dort verewigen.

  • Museum Wiesbaden
  • Erwerbung: Bahnhof-Füssen im März (1905) 
  • von Alexej von Jawlensky
  • Friedrich-Ebert-Allee 2, Wiesbaden
  • Telefon +49 611 335 2250
  • museum-wiesbaden.de
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