CALL FOR ARTISTS

Das Bewerbungsportal für die Vergabe der Reise- und Residenzstipendien der Hessischen Kulturstiftung für 2027/2028 ist noch bis zum 15. Oktober 2026 geöffnet!

Zum Bewerbungsportal gelangen Sie hier.

Wir sind gespannt auf die vielen künstlerischen Positionen und wünschen allen Bewerber:innen viel Erfolg!

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den Herbstmonaten des Jahres 1937 verfasste die deutsch-jüdische Lyrikerin Gertrud Kolmar das Gedicht Kunst. Die prosanahen Verse lassen ein Landschaftsbild entstehen – eines, das sich aus dem Gegensatz zum schönen Schein der gemalten pastoralen Idylle bestimmt. Weder der weite Blick über sanfte Hügel und fruchtbare Ebenen noch die Farbpalette komponierter Ideallandschaften kommt darin zur Wirkung. Nicht die harmonisch geordnete Natur, sondern die einsam-erhabene, unwirtliche Hochgebirgslandschaft wird zum Abbild des Künstlerinnen-Ich. Menschen wenden sich von dem Bild ab, da es ihnen die erwartete Idealität vorenthält. Das eigene Kunstwerk jedoch zeichnet die Künstlerin aus und erhöht sie über die ablehnende Menge. Ihr wird in dem Landschaftsbild, das den Menschen unverständlich bleibt, eine lebensfeindliche, mythische Höhe zur Zuflucht und Vollkommenheit.
In dem Gedicht verarbeitete Kolmar eine im Herbst 1934 persönlich erlebte Abwertung der Kunst jüdischer Künstler:innen.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

 

Kunst 
Gertrud Kolmar (Berlin 1894 – Auschwitz 1943)

Sie nahm den Silberstift
Und hieß ihn hingehn über die weiße matt glänzende Fläche:
Ihr Land. Er zog
Und schuf Berge.
Kahle Berge, nackte kantig steinerne Gipfelstirnen, über
     Öde sinnend;
Ihre Leiber
Schwanden umhüllt, vergingen hinter dem bleichen Gespinst
Einer Wolke.
So hing das Bild vor dem schwarzen Grunde, und
     Menschen sahen es an.
Und Menschen sprachen:
„Wo ist Duft? Wo ist Saft, gesättigter Schimmer?
Wo das strotzende, kraftvoll springende Grün der Ebenen
Und der Klippe bräunlich verbranntes Rot oder ihr taubes
     graues Düster?
Kein spähender Falke rüttelt, hier flötet kein Hirt.
Nie tönen groß in mildes Abendblau die schön
     geschwungenen Hörner wilder Ziegen.
Farbenlos, wesenlos ist dies, ohne Stimme; es redet zu uns
     nicht.
Kommt weiter.“

Sie aber stand und schwieg.
Klein, unbeachtet stand sie im Haufen, hörte und schwieg.
Nur ihre Schulter zuckte, ihr Blick losch in Tränen.
Und die Wolke, die ihre zeichnende Hand geweht,
Senkte sich und umwallte, hob und trug sie empor
Zum Schrund ihrer kahlen Berge.
Ein Wartender,
Dem zwei grüngoldene Basilisken den Kornreif schlangen,
Stand im Dämmer auf, glomm und neigte sich, sie zu
grüßen.

ausstellungen unserer stipendiat:innen

19. 09. 2026 – 
17. 01. 2027
Nasan Tur und andere Tell Me Where Home Is · Kunstmuseum Wolfsburg · Hollerplatz 1

https://www.kunstmuseum.de/en/exhibition/tell-me-where-home-is/

14. 09. 2026Peyman Rahimi Mir Das Fremde · Fechenbacher Schloss Collenberg · Schlosshof 5
11. 09. 2026 – 
31. 10. 2026
Helga Fanderl, Yvonne Roeb und Paula Rosolen SPUREN 1999-2026. Künstlerinnen der Hessischen Kulturstiftung in Paris · Goethe-Institut Paris · 17, avenue d’Iéna

https://www.goethe.de/ins/fr/de/ver.cfm?event_id=27320481

27. 08. 2026 – 
08. 11. 2026
Grace Schwindt Autumn Leaves (Witnesses) · Kunsthaus Wiesbaden · Schulberg 10

https://www.wiesbaden.de/microsite/kunsthaus/ausstellungen/GraceSchwindt

13. 06. 2026 – 
27. 09. 2026
Sunah Choi und andere The Earth is Thinking All Along… · RADIUS – Center for Contemporary Art and Ecology · Kalverbos 20, Delft
02. 04. 2026 – 
10. 01. 2027
Alexander Tillegreen Stücke für Werke· Kunsthalle Mannheim · Friedrichsplatz 4 Mannheim

https://kuma.art/de/ausstellungen/alexander-tillegreen

geförderte ausstellungen

22. 08. 2026 – 
03. 01. 2027
Charles Ray · Fridericianum Kassel · Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel

https://fridericianum.org/de/ausstellungen/charles-ray/

11. 07. 2026 – 
13. 09. 2026
Atem, Sinn und (Ohne)Tun · Neuen Kunstverein Gießen · KiZ, Kultur im Zentrum, Südanlage 3a, Gießen
11. 03. 2026 – 
18. 10. 2026
W.I.M. Im Lauf der Zeit Eine Wim Wenders Ausstellung · DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum · Schaumainkai 41, Frankfurt am Main

dff.film









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