winter 2010

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wieder steht der Winter vor der Tür, war der letzte nicht eben erst zu Ende gegangen? Obwohl die Herbst- und Winterzeit astronomisch gesehen kürzer ist als Frühling und Sommer, scheint sich jene doch in die Länge zu ziehen. Sei’s drum, da müssen wir durch, sogar ohne zu genau wissen, wie nun dieser Winter ausfallen wird. Vorhersagen über mehrere Monate sind heutzutage noch nicht möglich; allerdings wird die nächste Eiszeit, wie sie dieser Tage angedroht wurde, wohl doch noch ein paar tausend Jahre auf sich warten lassen.

Jetzt ist also wieder Gelegenheit, dicke Bücher zu lesen, alle die, die man im Urlaub nicht geschafft hat, oder wieder mal ins Kino zu gehen. In den neuen Film mit Tilda Swinton zum Beispiel, der auch in eisiger Kälte beginnt und ganz anders endet. Und selbstverständlich sollten Sie Ausstellungen besuchen: Wir möchten Ihnen einige Projekte aus unserem Förderprogramm dafür vorschlagen. In wenigen Tagen startet im Frankfurter Historischen Museum eine lang erwartete Retrospektive zum Werk von Abisag Tüllmann. Über 40 Jahre hat die Bildjournalistin, Theater- und Filmfotografin das Zeitgeschehen in Kunst und Gesellschaft dokumentiert und in der ihr eigenen präzisen, zurückhaltenden Art kommentiert. Die Ausstellung bietet mit zahlreichen Arbeitsbeispielen, Dokumenten, Interviews und einem umfangreichen Begleitprogramm sicherlich Stoff für mehrmaliges Hinschauen.

Ebenfalls noch im November eröffnet die Kunsthalle Gießen eine Rauminstallation des mehrfachen documenta-Teilnehmers Gerhard Merz, dessen konzeptuelle Auseinandersetzung mit dem Text Über den Granit von Johann Wolfgang von Goethe im Kontext der regionalen Feierlichkeiten zur Goetheschen Farbenlehre steht. Zum Anfang des neuen Jahres wird wiederum in Frankfurt das Deutsche Architekturmuseum eine monografische Ausstellung über den Architekten Paul Bonatz vorstellen. Bonatz’ Hauptwerk, der Stuttgarter Hauptbahnhof, steht seit Monaten im Zentrum der Diskussionen um das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Wie die derzeit laufenden Schlichtungsgespräche zwischen Projektbetreibern und -gegnern ausgehen werden, ist nicht vorauszusagen. Die Ausstellung möchte jedoch auf den drohenden Verlust für die Baugeschichte aufmerksam machen.

Auf der Künstlerseite stellt Ihnen diesmal unsere Stipendiatin Carmen Gheorghe künstlerisch bearbeitete Eindrücke von ihrem Aufenthalt in Südostasien vor. Wer das möchte, kann die farbenfrohen Hühnchen ja schon als Vorboten fürs nächste Osterfest begreifen.

Ihre
Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

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