editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

heutzutage ist es nicht schwierig, hinreichende Erinne­rungsspuren von etwas zu hinterlassen, das wir nicht vergessen wollen. Wir machen ein Handyfoto vom Son­nenuntergang oder verfassen im Smartphone ein Memo an uns selbst: überflüssige Fotos vom Handy löschen!

Da kommt kein Zweifel an der Botschaft auf. Der berühmte, aber weniger eindeutige Knoten im Taschentuch ist nur noch eine nostalgische Erinnerung. Er dient vielleicht noch als Sinnbild des Erinnerns und Vergessens zugleich. So nutzen ihn beispielsweise Zeitungen gern als Symbolbild für die verschlafene Zeitumstellung – die jetzt im Herbst wieder vor der Tür steht. Die uneindeutige Botschaft des Knotens lautet in etwa: „Memo an mich selbst: Memo!“ Kaum verwunderlich, verschnüren wir doch nur einen Gedanken in dem Tuch, den wir mit einem Zauber der Wiederkehr belegen wollen. Es erstaunt mithin wenig, dass Knoten gern mit Magie in Verbindung gebracht wurden oder Alexander das Schwert zog. „Forget it!“, lautet hingegen der Ausruf im Titel von Umberto Ecos Essay zu einer Ars Oblivionalis, in dem er parallel zu den semiotischen Verfahren der Mnemotechnik ihr Pendant, die Kunst des Vergessens, untersucht. Unmöglich, konstatiert er, sei bewusstes Vergessen. Vielleicht bietet ja der Knoten im Taschentuch eine Antwort.

In diesem maecenas spielt das Erinnern in allen vor­gestellten Förderprojekten der Stiftung eine eigene Rolle. Beim Ankauf eines Porträts der Erzherzogin Henriette Alexandrine von Österreich, die aus dem Hause zu Nas­sau-Weilburg stammt, ist das Bild nicht nur eine familiäre Erinnerung und ein Andenken an die früh Verstorbene. An dem Porträt Joseph Stielers lassen sich darüber hinaus zahl­reiche Erinnerungen an die Geschichte des Hauses, des Schlosses und der Familie festmachen. Die Ausstellung PELZE im Kunstraum Synnika in Frankfurt ist eine archivalisch angelegte Schau über den von lesbischen Frauen und Feministinnen verwalteten Kunst- und Kulturort Pelze Multimedia. Die Ausstellung des Neuen Kunstvereins Gießen Several Ours: (Rewriting Cracks) hat sich ganz dem Thema Erinnerung, ihren vielen Erscheinungsformen und Überlagerungen im Stadtraum verschrieben. Die Frankfurter Ausstellungshalle Schirn lädt mit der Foto­grafin Gauri Gill eine indische Künstlerin ein, die mit partizipativen Konzepten und Fotografien die vergessenen und wenig gehörten Mitglieder der indischen Gesellschaft sichtbar werden lässt. Im Interview mit Prof. Andil Gosine erzählt Onur Gökmen, zurzeit Stipendiat im New Yorker Atelier der Hessischen Kulturstiftung, von seiner Kunst und wie er die Entfernung zu Freunden und Zuhause und die Erinnerung an beide künstlerisch bearbeitet.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

Ihre
Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

ausstellungen

23. 09. 2022Sunah Choi, Rosa, Galerie Widauer, Erlerstraße 13, 6020 Innsbruck, Österreich

Mehr Informationen auf der Website der Galerie

18. 09. 2022 – 
04. 12. 2022
Luzie Meyer, Cyclic Indirections, Kunsthalle Bremerhaven, Karlsburg 4, 27568 Bremerhaven

Vernissage am 17. September 2022 von 19.30 Uhr – 21 Uhr, mehr Infos finden Sie hier.

18. 09. 2022 – 
20. 11. 2022
Bianca Baldi, Patina, Photoforum Pasquart, Seevorstadt 71, 2502 Biel, Schweiz

Mehr Infos auf der Website des Photoforums

15. 09. 2022 – 
01. 10. 2022
Raul Walch und andere, Als wäre alles für immer. Von Prozessen und Nichtzugehörigkeiten., Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin

Mehr Infos auf der Website des Kühlhaus Berlin

15. 09. 2022 – 
29. 10. 2022
Rosa Aiello und andere, Kino (Teil 1), Fluentum, Clayallee 174, Berlin

Eröffnung: 14. September, 17 – 21 Uhr. Mehr Informationen gibt es hier.

14. 09. 2022 – 
04. 10. 2022
Britta Lumer, Death Life Balance, BARK LAB, Köthener Straße 28, 10963 Berlin

Mehr Informationen auf der Website der Galerie

10. 09. 2022 – 
29. 10. 2022
Silke Wagner, Someday Is Now, Galerie Wilma Tolksdorf, Hanauer Landstrasse 136, 60314 Frankfurt

Die Eröffnung findet statt am Freitag, 09. September 2022, von 18 – 21 Uhr. Mehr Informationen auf der Website der Galerie

10. 09. 2022 – 
03. 12. 2022
Julia Haller und andere, Morgenrot und Abendbrot, Galerie Nagel Draxler, Weydingerstraße 2/4, 10178 Berlin

Mehr Infos auf der Website der Galerie

04. 09. 2022 – 
27. 11. 2022
Laura Langer, Headlines, Kunsthaus Glarus, Im Volksgarten, 8750 Glarus, Schweiz
02. 09. 2022 – 
15. 10. 2022
Laura Schawelka, Again, fiebach, minninger, Venloer Straße 26, Köln

Eröffnung: 2. September von 13-21 Uhr, mehr Informationen gibt es hier.

03. 07. 2022 – 
08. 10. 2022
Jeronimo Voss, Ansible, HB Station Guangzhou (CHN), Nanfei Bar No. 17 Guoxingzheng Street, Haizhu District
25. 06. 2022 – 
25. 09. 2022
Yong Xiang Li und andere, that other world, the world of the teapot. tenderness, a model, Kestner Gesellschaft e. V., Goseriede 11, 30159 Hannover
10. 06. 2022 – 
25. 09. 2022
Tomás Saraceno und andere, Homosphäre, Kunsthalle Mainz, Am Zollhafen 3–5, 55118 Mainz
10. 06. 2022 – 
30. 09. 2022
Zuzanna Czebatul, Elif Erkan und andere, 3rd Geneva Biennale – Sculpture Garden , Parc de La Grange, Quai Gustave Ador, 1207 Genf, Schweiz
04. 06. 2022 – 
16. 10. 2022
Giulietta Ockenfuß und andere, Dem Wasser folgen, Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld
23. 04. 2022 – 
27. 11. 2022
Jana Euler, Biennale di Venezia – The Milk of Dreams, Central Pavilion, Giardini, La Biennale di Venezia, Italien
18. 02. 2022 – 
18. 02. 2024
Hannah Rath und andere, something new, something old, something desired, Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg
04. 12. 2021 – 
01. 11. 2022
Deniz Eroglu, Souvenirs, Arken Museum für Moderne Kunst, Souvenir Shop im Ishøj By Center, Ishøj Østergade 43, 2635 Ishøj, Dänemark









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    Die Hessische Kulturstiftung begrüßt die Stipendiaten des Turnus 2019/20. 
    Die Hessische Kulturstiftung hat an vierzehn Künstlerinnen und Künstler Stipendien für freie Reisevorhaben und einjährige Aufenthalte in den stiftungseigen Atelier in London, New York und Paris vergeben.

    stehend: Deniz Eroglu (Reisestipendium Georgien, Kasachstan, Usbekistan u.a.), Jan Schmidt (Reisestipendium Montevideo), Charlotte Malcolm-Smith (Atelierstipendium London), Julian Irlinger (Culver City, Kalifornien), Christin Berg (Atelierstipendium Paris), Marcello Spada (Reisestipendium Afrika, Indonesien, Niederlande u.a.), Bianca Baldi (Reisestipendium Marseille, Addis Abeba), Stefan Cantante (Atelierstipendium London), hockend: Giulietta Ockenfuß (Reisestipendium Mexiko), Zuzanna Czebatul (Reisestipendium New York), Raul Walch (Reisestipendium Namibia), Julia Haller (Atelierstipendium New York) / [Auf dem Foto fehlen: Felix Breidenbach (Atelierstipendium New York) und Elif Erkan (Atelierstipendium Paris)]