Hessen kulturell neu eröffnen

Förderprogramm

„Hessen kulturell neu eröffnen“ heißt das Programm des Landes Hessen mit einem Fördervolumen von rund 50 Mio. Euro.  Es ermöglicht den in der Pandemie durch Schließungen, Entlassungen und den Wegfall von Jobs strapazierten Kunst- und Kulturschaffenden sowie Kulturorten einen Neustart und fördert zugleich gezielt innovative Kunst- und Vermittlungsansätze. Das Programm besteht aus drei Bausteinen:

1.  Sofort helfen · Festivals und Spielstätten
Auf den Seiten des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst können Veranstalter von Festivals und Spielstätten in Hessen Hilfen für konkrete Einnahmenausfälle beantragen.

2. Übergang meistern · Arbeitsstipendien
Arbeitsstipendien werden an Kunstschaffende aller Sparten (darstellende und bildende Kunst, Literatur, Musik und Film) vergeben. Näheres erfahren Sie hier.

3.1 Innovativ neu eröffnen · Projektstipendien
Ab August 2020 wird es ein Projektstipendium für Kunstschaffende, Künstlergruppen und Kulturinstitute geben, die von der Hessischen Kulturstiftung vergeben werden. Näheres dazu erfahren Sie hier.

3.2 Innovativ neu eröffnen · Festivals und Spielstätten
Spielstätten und Festivals in Hessen mit innovativen Ansätzen werden aus einem Fonds gezielt unterstützt. Näheres erfahren Sie hier.

editorial sommer 2020

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

gewöhnlicherweise würden Sie an dieser Stelle etwas lesen über den kommenden Sommer und was er für uns an unbeschwerten Freuden aus Kunst und Kultur bereithält; aber von der Selbst­­­ver­ständlichkeit des Gewohnten, unserem komfortablen und sicheren Alltag, mussten sich viele im März verabschieden. Ganz zu schweigen von den Menschen, denen Sicherheit und Komfort schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie Fremdwörter waren.

Marcel Proust hat aus der Einsamkeit seines Zimmers heraus – das kommt uns bekannt vor – auf vielen Seiten über das Verhältnis von Wahrheit, Gewohnheit und Erinnerung, unsere intellektuelle und sinnliche Wahrnehmung der Welt reflektiert. Dabei brechen Krankheit, Kunst und Tod in der Suche nach der verlorenen Zeit mit Macht in den Alltag ein. Sie haben das Potenzial, die Wahrnehmung der Welt zu verändern. Im sommerlichsten Teil der Recherche – Im Schatten junger Mädchenblüte – stellt Proust den fiktiven Maler Elstir vor, der dem jungen Protagonisten mit seiner Kunst die Augen für eine Realität neben dem Tunnelblick des Gewohnten öffnet, für die Kraft der Illusion als wirklichkeitsformendes Werkzeug. Hier und heute formt die Pandemie noch immer eine neue Wirklichkeit für uns alle und suspendierte nicht zuletzt die Künstler, die Kunst aus unserer Lebenswelt.

Wir stellen Ihnen in diesem maecenas zwei geförderte Projekte vor, die Sie auch noch zu einem späteren Zeitpunkt besuchen können. Auf Schloss Erbach im Odenwald inszenierte Graf Franz I. seine Sammlungen als mittelalterliche und antike Lebenswelten. Im letzten Jahr glückte der Ankauf der gräflichen Ahnengalerie mit Gemälden Anthonis van Dycks oder Gerrit van Honthorsts. Solange die Museen noch geschlossen sind, kann man die Arbeit des Museums medial unter #schlosserleben verfolgen.

Der Ankauf eines Portfolios von Märchenschulwandbildern aus der Sammlung Dathe für das Museum Steinau und das dortige Brüder-Grimm-Haus ermöglicht zukünftig einen Einblick in den Zusammenhang von Märchen und Pädagogik, Imagination anregender Bildung und domestizierter Fantasie.

Christin Berg – Stipendiatin in unserem Atelier in Paris – berichtet im Interview von ihrer Arbeit dort, dem Schreiben, dem flanierenden Erkunden der unbeachteten Ecken, des verborgenen oder widerständigen Lebens der Stadt und ihrer Bewohner – und dem Film, der daraus entstehen wird.

Der asthmakranke Proust, der in seiner Selbstisolation keine finanziellen Sorgen hatte, ließ das Leiden zu seinem Alltag, den schmerzlichen Bruch – aus dem er kreatives Potenzial schöpfte – zum Dauerzustand werden. Es ist jedoch ein verhängnisvoller Trugschluss zu glauben, dass Kunst und Leid immer zusammengehören! Wir freuen uns deswegen, dass der Zugang zu Kunst in Teilen wieder gewährt wird, und hoffen, mit unseren dieses Jahr wieder ausgeschriebenen Stipendien für bildende Künstler, zumindest was den finanziellen Rahmen angeht, für einige Zeit genügend Freiraum zum Arbeiten zu ermöglichen. Denn Kunst schafft einen zweiten Blick auf die Wirklichkeit, dessen wir als kritisches Korrektiv bedürfen.

Ich wünsche Ihnen eine unterhaltsame Lektüre

Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

ausstellungen

19. 06. 2020 – 
05. 10. 2020
Pia Linz und andere, Gezeichnete Stadt – Arbeiten auf Papier von 1945 bis heute, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Alte Jakobstraße 124 – 128, 10969 Berlin
15. 06. 2020 – 
30. 07. 2020
Oliver Husain, Claus Richter und andere, Paradise Libraries: Episode 2, Clages, Brüsseler Straße 5, Köln
13. 06. 2020 – 
09. 10. 2020
FORT und andere, Lichtparcours 2020, Stadt Braunschweig
13. 06. 2020 – 
06. 09. 2020
Susa TemplinSpitals & Premises, Dorothée Nilsson Gallery, Potsdamer Straße 65, Berlin
11. 06. 2020 – 
25. 07. 2020
Julian IrlingerGift, Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, Müllerstraße 146/147, Berlin
06. 06. 2020 – 
01. 08. 2020
Silke Wagner, festa. Art Critica OrchestraBELLA CIAO, SYNNIKA, Niddastraße 57, Frankfurt

Eröffnung am 6. Juni um 21 Uhr

Das Projekt kann man im Internet auf der Seite www.synnika.space/silkewagner besuchen, oder am Schaufenster von SYNNIKA vorbeispazieren.

Für ihr Projekt hat Silke Wagner die Berliner Band Art Critics Orchestra (ACO) eingeladen, ein Onlinekonzert zu geben, mit 11 Liedern aus unterschiedlichen Epochen, Regionen und von verschiedenen Musiker*innen. ACO ist ein Musikprojekt aus dem Kunstumfeld in wechselnder Besetzung – aktuell mit Andreas Schlaegel, Raimar Stange und Micz Flor. Der ursprünglich als Live-Konzert geplante Auftritt wird, aufgrund der aktuellen Krise, ab dem Eröffnungsabend als Videomitschnitt auf der Webseite von SYNNIKA zu sehen und zu hören sein.

www.synnika.space

05. 06. 2020 – 
11. 07. 2020
Fies Becker, Duo Maslowski/Grenzhaueser, Mathias Völker und andere, Gift-Shop, Galerie Axel Obiger, Brunnenstraße 29, Berlin

Samstag 20. Juni, 17 Uhr: Von Dr. Peter Funken Mondrian auf Duschvorhang – Über Museumsshops und Art to Go

www.axelobiger.com

30. 05. 2020 – 
06. 09. 2020
Mario Pfeifer und andere,  Me, Family, Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne, 3 Park Dräi Eechelen, 1499 Luxembourg
15. 05. 2020 – 
16. 08. 2020
Sandra Kranich, Nasan Tur und andereWolken in der Zeitgenössischen Kunst – Flüchtig – Zeichenhaft – Bedrohlich, Oldenburger Kunstverein, Damm 2a, Oldenburg
06. 03. 2020 – 
09. 08. 2020
Sunah Choi, Banco, Kunsthall 3.14, Vaagsallmennigen 12, 5014 Bergen
21. 02. 2020 – 
15. 08. 2020
Sunah Choi, Karo, Edition Block, Pragerstraße 5, Berlin

Magazin maecenas

Im vierteljährlich erscheinenden Magazin maecenas berichtet die Hessische Kulturstiftung über aktuelle Förderungen: Hier finden Sie Informationen über laufende Ausstellungen, die jüngsten Erwerbungen und Neuerscheinungen ebenso wie Arbeitspräsentationen von Künstlern aus dem Stipendienprogramm. Immer mit dabei ist auch ein Überblick über Aktivitäten ehemaliger und aktueller Stipendiatinnen und Stipendiaten.









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Die Hessische Kulturstiftung begrüßt die Stipendiaten des Turnus 2019/20. 
Die Hessische Kulturstiftung hat an vierzehn Künstlerinnen und Künstler Stipendien für freie Reisevorhaben und einjährige Aufenthalte in den stiftungseigen Atelier in London, New York und Paris vergeben.

stehend: Deniz Eroglu (Reisestipendium Georgien, Kasachstan, Usbekistan u.a.), Jan Schmidt (Reisestipendium Montevideo), Charlotte Malcolm-Smith (Atelierstipendium London), Julian Irlinger (Culver City, Kalifornien), Christin Berg (Atelierstipendium Paris), Marcello Spada (Reisestipendium Afrika, Indonesien, Niederlande u.a.), Bianca Baldi (Reisestipendium Marseille, Addis Abeba), Stefan Cantante (Atelierstipendium London), hockend: Giulietta Ockenfuß (Reisestipendium Mexiko), Zuzanna Czebatul (Reisestipendium New York), Raul Walch (Reisestipendium Namibia), Julia Haller (Atelierstipendium New York) / [Auf dem Foto fehlen: Felix Breidenbach (Atelierstipendium New York) und Elif Erkan (Atelierstipendium Paris)]