sehnsuchtsort

„In Arkadien geboren sind wir alle“ – wer’s glaubt, wird selig, möchte man Schopenhauer ergänzen. Und das ist keineswegs abschätzig dahingesagt. Wer es glaubt, imaginiert Arkadien als den seligen Ort und hat den Traum vom irdischen Paradies verinnerlicht. Die Sehnsucht nach dem glücklichen Land, das Dichtung, Kunst und ein Dasein in idealischer Sphäre repräsentiert, hat die Menschen seit der Antike beschäftigt und inspiriert. Ursprünglich war es die griechische Landschaft Arkadien, die in Literatur und Kunst zur geistigen Landschaft und zum Symbol für das „Goldene Zeitalter“ wurde. Arkadien als poetisch geschaffener Raum, klar, ist kein Land, in das sich auswandern ließe. Spätestens aber nachdem Goethe das Motto „Auch ich in Arkadien!“ seiner Italienischen Reise vorangestellt hat, gilt es als Inbegriff eines paradiesischen Lebens im Süden – Arkadien reisend näherkommen entspringt dem Wunsch, an den verinnerlichten, „anderen“ Ort zurückzukehren.  „Irrtum“ hätte Schopenhauer gewohnt pessimistisch auf das Ortsschild geschrieben, mahnend, dass die angeborene Suche in die Täuschung führt. Doch war Arkadien nie nur ein hedonistischer Anspruch. Immer schon knüpfte der idyllische Ort an die Lebenswirklichkeit an. Ehemalige Stipendiat:innen der Hessischen Kulturstiftung zeichnen ein solches mehrschichtiges Bild: Die aufgesuchte Welt, der Sehnsuchtsort, schließt an die Erfahrungswelt, den biografischen Standort, an. Zwei Welten sind in den künstlerischen Positionen präsent: die verinnerlichte sowie die vorgefundene, von äußeren Zwängen und inneren Kämpfen unterminierte Welt. In der Differenz schlägt etwa Wunsch in Widerstand um, stehen Beheimatetsein und Verortetsein infrage. Arbeiten von Ferhat Bouda, Parastou Forouhar und Jürgen Krause, die im Rahmen der vierten Ausstellung zum 30. Jubiläum des Stipendienprogrammes ausgestellt werden, zeigen Arkadien als ein in den persönlichen Erfahrungen vielfach gebrochenes Reisemotiv, als einen ambivalent besetzten oder unbesetzten „anderen“ Ort.

  • In Arkadien geboren sind wir alle. Suche nach dem Paradies
  • Museum Bensheim
  • bis 14. Januar 2024
  • Marktplatz 13, 64625 Bensheim
  • Telefon +49 (0)6251 5847865
  • stadtkultur-bensheim.de/museum
  • hkst.de