Foto: Michael Leukel
Rudolf Schwinn: Pferdebrücke, 20. Jh., Elfenbein ©

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schnitzkunst

Auf einer enormen Zeittafel, zurück bis in die Steinzeit, lässt sich die Geschichte von Elfenbein verfolgen. Schon prähistorische Funde, die ältesten sind um 40 000 Jahre alt, belegen die Verarbeitung des tierischen Rohstoffs zu Kunst- und Gebrauchsgegenständen. Arbeiten aus dem wertvollen, weil schwer erreichbaren Elefantenknochen wurden schon früh aus Asien und Afrika nach Europa importiert. Die Kulturtechnik des Elfenbeinschnitzens wurde diesseits der Alpen maßgeblich in den mittelalterlichen Kloster-werkstätten aufgenommen und weiterentwickelt.

Ein Epizentrum für Elfenbeinkunst und die Ausbildung in der Handwerkstradition liegt bis heute in Erbach im Odenwald. Im späten 18. Jahrhundert initiiert durch Erbgraf Franz I. zu Erbach-Erbach hatte sich der Standort durch eigene Motiv- und Gestaltungslinien – die Erbacher Rose zum Beispiel – zu einer Marke mit Wirtschafsfaktor für die Region entwickelt. 1892 kam die heutige Berufsfachschule für das holz- und elfenbeinverarbeitende Handwerk dazu. Renommierte Bildhauer aus der Erbacher Schule wie Ferdinand Preiss (1882 – 1943), Johann Balthasar Trumpheller (1876 – 1961), Otto Glenz (1865 – 1948) oder Jan Holschuh (1909 – 2000) waren stilprägend für internationale Werkstätten tätig.

1966 wurde das europaweit einzige Spezialmuseum für Elfenbeinkunst im Odenwald eröffnet. Die Ausnahmesammlung mit rund 3000 Objekten umfasst europäische Elfenbeinkunst von der Frühzeit, teils auch aus dem Besitz des Grafen, bis ins 20. Jahrhundert. Im Fokus der Kollektion stehen vor allem standorttypische Artefakte, Jagd-, Hand- und Rosenbroschen, als auch herausragende Kunstwerke von Schnitzern, die mit Erbach in enger Verbindung standen. Unterstützt unter anderem von der Hessischen Kulturstiftung sind jetzt aus einer Privatsammlung 28 Elfen­beinskulpturen für das Erbacher Haus gesichert worden: kleine Formate, Einzelfiguren und Gruppen, dekorative Gefäße, alle vollrund und detailreich ausgearbeitet. Darunter auch einige goldgefasste, chryselefantine Plastiken, die besonders im Jugendstil und Art Deco sehr geschätzt waren und heute hochrangig gehandelt werden. Die Kostbarkeiten können Sie in den neu gestalteten Ausstellungsräumen des Museums im Erbacher Schloss ab sofort bewundern.

  • Deutsches Elfenbeinmuseum
  • Marktplatz 7, Erbach
  • Telefon 06062 / 80 93 60
  • Öffnungszeiten: Februar Mo – Fr 10 – 14 Uhr,
  • März bis Oktober täglich 10 – 17 Uhr
  • www.elfenbeinmuseum.de
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