30 Jahre Stipendienprogramm
der Hessischen Kulturstiftung

The Tide is High. Reisen als Herausforderung

Wie reisen Künstler:innen heute? Reisen gehört für Künstler:innen spätestens seit der Neuzeit zum festen Bestandteil der eigenen Biografie. Aber ist das immer noch so? Welche Themen haben Künstler:innen heute im Blick? Und wie gestaltet sich eine Reise vor dem Hintergrund von Pandemien, Naturkatastrophen, Nationalismen und politischen Konflikten? Diesen und weiteren aktuellen Fragen geht die Ausstellung The Tide is High im Kunsthaus Wiesbaden nach. Sie bildet den Auftakt zum 30-jährigen Jubiläum des Stipendienprogramms der Hessischen Kulturstiftung, das mit einem eigens konzipierten Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm gefeiert wird. In Kooperation mit insgesamt fünf kulturellen Institutionen in Hessen präsentiert das Programm ausgewählte künstlerische Positionen der bislang über 200 Stipendiat:innen in thematischen Gruppenausstellungen rund um das Thema Reisen. Ergänzt wird das Programm durch eine Podiumsdiskussion in der Hessischen Landesvertretung in Berlin, die sich mit der Frage einer zeitgenössischen Künstler:innenförderung auseinandersetzt. Mehr

editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

tout le monde ist wieder unterwegs, als ob es kein Morgen gäbe. Während Venedig neue Besucherrekorde verzeichnet, möchten wir Ihnen heute vorschlagen: Warum nicht Venedig in Darmstadt besichtigen? Es gibt viel zu ent­decken – so etwa, dass sich hinter ‚Canaletto‘, dem klassischen venezianischen Vedutenmaler, zwei Künstler ver­bergen: Giovanni Antonio Canal und sein Neffe Bernardo Bellotto, der berühmtere von beiden. Das Darmstädter Landesmuseum teilt sich mit dem Warschauer Nationalmuseum den Superlativ, Eigentümer der größten Sammlung von Bellotto-Zeichnungen weltweit zu sein. Auf diesen Blättern lässt es sich wunderbar in Venedig herumspazieren, ohne sich bei acqua alta nasse Füße zu holen.

Im weiteren Sinne ums Reisen geht es bei der Wiesbadener Ausstellung The Tide is High: Ab 2. Dezember feiern wir den Auftakt zu einer fünfteiligen Veranstaltungsfolge anlässlich unseres Jubiläums 30 Jahre Stipendienprogramm der Hessischen Kulturstiftung. Wie reisen Künstler:innen in Zeiten der Pandemie, angesichts ökologischer Notwendigkeiten und sich verschärfender Visa-Regelungen? Warum ist es im digitalen Zeitalter unverändert wichtig, vor Ort zu sein? Diesen und anderen Fragen gehen wir ab Anfang Dezember und im Jahresverlauf 2023 nach. Auf unserer Website finden Sie dazu neueste Informationen.

Museumswetter steht ins Haus. Was gibt es noch vor Ort zu entdecken? Die herausragende Keltenausstellung im gleichnamigen Museum am Glauberg läuft noch bis Jahresende und ist einen Besuch mit der Familie wert.
Für Liebhaber:innen höfischer Porträtkunst lohnt sich ein Ausflug ins nordhessische Bad Arolsen: Dort ist das aparte, halbtransparente Marmorbildnis einer Preußenkönigin des Klassizisten Christian Daniel Rauch zu bewundern. Mit diesem Erwerb hat sich die allseits geschätzte Museums­leiterin Dr. Birgit Kümmel, jüngst mit der Goethe-Plakette des Hessischen Wissenschaftsministeriums geehrt, jetzt in den Ruhestand verabschiedet.

Zu guter Letzt ein Ausflug in die angewandte Kunst: Eine Kulturgeschichte des Handschuhs in seiner Material- und Bedeutungsvielfalt präsentiert das Offenbacher Ledermuseum, das zu diesem Objekttypus über einen Sammlungsbestand von stolzen 900 Objekten aus verschiedenen Epochen und Kulturen verfügt.

Dass die Dingwelt stets ungeahnte Wissensuniversen in sich birgt, zeigt auch das Interview mit unserem Istanbul-Stipendiaten Yong Xiang Li. Er interessiert sich für das Exotische als Ausgangspunkt für weltoffenes Denken, das wiederum im 19. Jahrhundert eines der Hauptmotive für Künstler:innenreisen war. Am Beispiel vermeintlich traditioneller Motive untersucht er Veränderungen in zuvor vertrauten Formsprachen und zeigt so auch den politischen Bedeutungsrahmen für diesen Wandel auf.

Viel Vergnügen bei Ihren Unternehmungen wünscht Ihnen

Ihre
Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

exhibitions

01. 11. 2022 – 
11. 12. 2022
Hannah Rath, Insight Inside, Super bien! Gewächshaus für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum, Schwedter Straße 232, 10435 Berlin
09. 10. 2022 – 
05. 03. 2023
Jan Schmidt und andere, Reflections / Spiegelwelten, Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstraße 6–8, 85049 Ingolstadt
08. 10. 2022 – 
15. 01. 2023
Murat Adash und andere, Contact Zones, Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
17. 09. 2022 – 
05. 02. 2023
Grace Schwindt, Defiant Bodies, Kunstmuseum St. Gallen, Museumstrasse 32,, 9000 St. Gallen, Schweiz
15. 09. 2022 – 
19. 02. 2023
Yvonne Roeb, Echo, Museum Starnberger See, Possenhofener Straße 5, 82319 Starnberg
18. 02. 2022 – 
18. 02. 2024
Hannah Rath und andere, something new, something old, something desired, Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg









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    Die Hessische Kulturstiftung begrüßt die Stipendiaten des Turnus 2019/20. 
    Die Hessische Kulturstiftung hat an vierzehn Künstlerinnen und Künstler Stipendien für freie Reisevorhaben und einjährige Aufenthalte in den stiftungseigen Atelier in London, New York und Paris vergeben.

    stehend: Deniz Eroglu (Reisestipendium Georgien, Kasachstan, Usbekistan u.a.), Jan Schmidt (Reisestipendium Montevideo), Charlotte Malcolm-Smith (Atelierstipendium London), Julian Irlinger (Culver City, Kalifornien), Christin Berg (Atelierstipendium Paris), Marcello Spada (Reisestipendium Afrika, Indonesien, Niederlande u.a.), Bianca Baldi (Reisestipendium Marseille, Addis Abeba), Stefan Cantante (Atelierstipendium London), hockend: Giulietta Ockenfuß (Reisestipendium Mexiko), Zuzanna Czebatul (Reisestipendium New York), Raul Walch (Reisestipendium Namibia), Julia Haller (Atelierstipendium New York) / [Auf dem Foto fehlen: Felix Breidenbach (Atelierstipendium New York) und Elif Erkan (Atelierstipendium Paris)]