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editorial herbst 2019

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wenn Sie irgendwo die Floskel lesen: „Der Sommer neigt sich dem Ende zu“, dann schüttelt der Autor im Blätterwald den Herbst von den Bäumen. Zur kulturellen Einstimmung auf die kommende Jahreszeit senden wir Ihnen heute unsere Herbstausgabe des maecenas ins Haus. Aber reden wir lieber vom Sommer, solange er noch anhält. Keine andere Jahreszeit, zumindest in unseren Breitengraden, ist so körperbetont wie der Sommer. Saharawinde treiben die Temperaturen über die 40°-Marke, und Beine, Arme, Bäuche liegen frei, manch einer geht noch weiter. Der Spätsommer ist Hochsaison für die Freikörperkultur. Wenn Sie ein Anhänger der FKK sind, dann befinden Sie sich in der Tradition der Lebensreformbewegungen – ebenso wie das Thema der Ausstellung, die wir Ihnen empfehlen möchten: Im Vonderau Museum in Fulda erhalten Sie einen umfassenden Eindruck von der Loheland-Schule für Gymnastik, die 1919 von Frauen für Frauen in der Rhön gegründet wurde. Die Ausbildung zur Gymnastiklehrerin befreite teilnehmende Frauen von ihrem bürgerlichen Korsett und brachte bekannte Tänzerinnen hervor.

,Körperbetont‘ könnte man auch eine andere Ausstellung nennen. In der Schau Konkrete Poesie / poesia concreta in den Opelvillen in Rüsselsheim treffen zwei Schulen von Sprachkünstlern aufeinander. Die Auffassung von Buchstaben als eigenständige Körper ermöglicht den „Minuspoeten“, wie einige sich selbst nennen, eine neuartige gestalterische Herangehensweise an ihre Wortbilder.

In der Dauerausstellung des Museum Wiesbaden hat mit der Sammlung F. W. Neess ein umfangreiches Konvolut von Werken des Jugendstils und Symbolismus Einzug gehalten, das die Vielfalt dieser beiden Strömungen eindrucksvoll vor Augen führt.

Der Kunsttempel in Kassel verweigert sich dem Körperkult und zeigt in seiner retrospektiv angelegten Ausstellung POESIS Sprachkunst aus zwei Jahrzehnten. Von Konkreter Poesie über Konzept- und Performancekunst bis hin zu digitaler Medien- und Computerkunst reichen die ausgestellten Werke.

Auf der Innenseite stellen wir Ihnen dieses Mal unseren Stipendiaten James Gregory Atkinson vor. Er berichtet von seiner Zeit in New York und seiner Arbeit, die sich mit den Bedingungen und Veränderungen von Identitäten auseinandersetzt.

Ich hoffe, Sie haben Körper und Geist über den Sommer gut erholt und Kraft getankt für die vielen spannenden Ausstellungen der nächsten Monate.

Anregende Lektüre wünscht Ihnen

Eva Claudia Scholtz
Geschäftsführerin

P.S.: Die Kuverts, in denen wir ab sofort versenden, bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Da sie die Abläufe in Biogas­an­lagen stören könnten, gehören sie nicht in die Biotonne, sondern in die Gelbe Tonne.

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