Roger Vivier: für Saks Fifth Avenue, 1965
Roger Vivier: (Bruno Frisoni), ca. 2010

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zeitgenossen: roger vivier

Um die dreißig, Künstler, in Paris lebend: Der Kurzsteckbrief trifft auf die Protagonisten zweier aktueller Ausstellungsvorhaben gleichermaßen zu. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Wege des französischen Schuhdesigners Roger Vivier (1907 – 1998) und des deutschen Fotografen, Malers und Zeichners Wolfgang Schulze (1913 – 1951), der sich Wols nannte, kreuzten im damaligen, eng vernetzten Zentrum der europäischen Kunst-, Literatur-, Theater- und Modeszene. Zweifellos war beiden eine innovative Produktivität eigen, die für den künstlerischen Diskurs im Modedesign und der bildenden Kunst, besonders auch in der Nachkriegsgeschichte, prägend war.

Nach der soeben zu Ende gegangenen Schau Virgule, ETC. Dans les pas de Roger Vivier im Pariser Palais de Tokyo bereitet nun das Offenbacher Leder- und Schuhmuseum eine Ausstellung mit dem legendären Schuhdesigner vor. Besonderer Anlass ist der außergewöhnliche und bisher nicht publizierte Sammlungsbestand an 40 Prototypen aus dem Frühwerk von Vivier, die er im Auftrag der Heylschen Lederwerke in Worms-Liebenau für deren Pariser Haus Laboremus gestaltet hat.

Roger Vivier, der an der Pariser École des Beaux Arts Bildhauerei studiert und eine Schuhmacher-Ausbildung angeschlossen hatte, setzte seine Begabungen in der angewandten Kunst um. Seit den frühen 1930er Jahren kreierte er üppig verzierte, sehr elegante bis schrille Schuhmode in asymetrischen Schnitten, mit raffinierten Verschlüssen und Schnallen – auf dem internationalen Markt für Delman New York oder die Haute Couture-Linien von Elsa Schiaparelli. 1953 begann Viviers Zusammenarbeit mit Christian Dior, der den Schuhspezialisten sogar explizit an der Erschaffung des New Look beteiligte. Josephine Baker, Ava Gardner, Marlene Dietrich, Catherine Deneuve, die Königin von England und die Beatles waren Vivier-Kunden, unter anderem. Auf der ewigen Liste des Schuhfetischismus aber steht Roger Vivier als der Erfinder des Stiletto-Absatzes, für ihn immer der wichtigste Teil des Schuhs. Ihm verdanken wir die irrwitzigen Choc-Heels, in pyramidalen und kugeligen Formen, als Nadel, Schnecke, Dorn oder Komma.

Die Ausstellung des Deutschen Ledermuseums Schuhmuseum Offenbach wird in Kooperation mit Maison Roger Vivier Paris, dem Musée Christian Dior, Granville, und dem Nederlands Leder & Schoenen Museum, Waalwijk, realisiert.

  • Roger Vivier – SchuhWERKE
  • 22. März – 2. November 2014
  • DLM Deutsches Ledermuseum Schuhmuseum Offenbach
  • Frankfurter Straße 86
  • 63067 Offenbach
  • Telefon 069 / 829 79 80
  • Öffnungszeiten Di – So, 10 – 17 Uhr
  • www.ledermuseum.de
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