Laura Schawelka, Derniers Jours, Ausstellungs­ansichten, Goethe-Institut Paris, 2018, Fotograf Andreas B. Krueger
Ausstellungsansicht zu Derniers Jours im Goethe-Institut Paris, 2018 ©

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Laura Schawelka

born 1988

studio scholarship der Hessischen Kulturstiftung 2017/2018:
Paris

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird Paris zum Zent­rum der beginnenden Moderne. Zahlreiche Künstler und Schrift­steller haben aber auch das mondäne Paris des 19. Jahrhunderts zum Thema ihrer Werke gemacht. Ein prominentes Beispiel ist Émile Zolas Roman Au Bonheur des Dames (Das Paradies der Damen, 1883). Darin beschreibt der Dichter eindrücklich die damals entstandenen prachtvollen Kaufhäuser, ihre raffinierte Waren- und Verkaufsästhetik sowie die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen im bestehenden Wirtschaftsgefüge. Rund 135 Jahre später, in Zeiten des Turbokapitalismus und des Internet-Shopping, stellen sich erneut Fragen nach der spezifischen Qualität des sinnlichen Erlebens und Begehrens: Welche Bedeutung kann eine Inszenierung von Konsumgütern in Bild, Klang und Wort haben, deren Übergänge zur Kunst fließend sind? 

Zolas Roman war der Ausgangspunkt für die künstlerische Recherche von Laura Schawelka. Die Künstlerin arbeitet mit Fotografie, Skulptur und Video, um die bildliche Repräsentanz von Objekten und die Verführungskraft von Fotografien zu untersuchen. In ihren Videos vergrößert sie Ausschnitte, die sie überlagert. Es entsteht ein Eindruck des Verflüssigens der Bilder, ein Bild scheint sich ins andere zu ergießen. Sie rückt die sinnliche Materialität der Objekte in den Fokus und inszeniert ein Spiel mit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Dargestellten und der Bildträger.

In ihrer Einzelausstellung Derniers Jours im Goethe-Institut Paris (2018) richtet Laura Schawelka einen Pop-up Store mit eigener Szenografie ein, in dem sie Fotografien der Pariser Modewochen, Zufallsfunde aus Briefmarkengeschäften, Werbe­bilder, Videos, Wandarbeiten und Skulpturen suggestiv kombiniert. Die Räume spiegeln die Unendlichkeit des Begehrens und der Verführung, die Virtualität und Irrealität von Wert und Wertigkeit.

Laura Schawelka schloss 2013 als Meisterschülerin bei Prof. Tobias Rehberger ihr Studium an der Städelschule in Frankfurt ab, worauf sie am CAL in Los Angeles ihre Studien fortsetzte.  2017 und 2018 waren ihre Arbeiten unter anderem im Kasseler Kunstverein, in der Filiale in Frankfurt und in der Galerie 13 in Esslingen zu sehen.  

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