Ausstellungsreise auf den Spuren einer deutschen Republik in den USA
Dr. Ludwig Brake, Peter Roloff, Oliver Behnecke: Aufbruch in die Utopie, 2013 – 2015 ©

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Im Gießen des frühen 19. Jahrhunderts gärte es gewaltig: Während der damals 20-jährige Student Georg Büchner 1833 an die Universität kam und sich zusammen mit dem Lehrer Friedrich Ludwig Weidig gegen die unerträglichen politischen Verhältnisse im heimatlichen Hessen-Darmstadt radikalisierte, setzten andere auf die Verwirklichung der großen revolutionären Ideale in der Fremde. Unter der Führung des Rechtsanwalts August Follen (1799 – 1844) und des Pfarrers Friedrich Münch (1799 – 1881) entschlossen sich rund 500 Menschen zur Auswanderung in die nordamerikanischen Freistaaten; die Gießener Auswanderergesellschaft machte sich 1834 auf den Weg zur Gründung einer demokratischen Teutschen Musterrepublik in der Neuen Welt.

Zu der heute wenig bekannten Expedition und ihrer wechselvollen Geschichte zeigt der Magistrat der Stadt Gießen als offiziellen Beitrag im Rahmen des Büchner-Jahres 2013 ab November die Ausstellung Aufbruch in die Utopie. Die als Wanderausstellung konzipierte Schau wird auf der Route der historischen Emigranten vom Gründungs- und Ausgangsort Gießen über die Einschiffungs- und Landungshäfen Bremen nach Washington D. C. und schließlich zum Zielort St. Louis, Missouri ziehen.

Dieses Kapitel deutsch-amerikanischer Beziehungen hat die Reisende Sommer-Republik, ein freier Zusammenschluss von Künstlern, Kulturschaffenden und Wissenschaftlern aus Deutschland und den USA, in achtjähriger Arbeit erforscht. Unter der Leitung des Historikers Dr. Ludwig Brake (Stadtarchiv Gießen), des Berliner Filmautors und -produzenten Peter Roloff und des Bremer Kulturmanagers und Regisseurs Oliver Behnecke stellt die Gruppe jetzt ihre Ergebnisse vor. Anhand von Videoinstallationen, Texten, Performances, Archiven, Filmen und Fotografien kann man die persönlichen Motive der Utopisten, die sozialen und gesellschaftspolitischen Dimensionen ihrer Ideen und natürlich auch die historischen Fakten entdecken. Soviel zur Anregung: Das Experiment Staatsbildung scheiterte, wie so oft, aber eben nicht ganz. Ihre demokratischen Überzeugungen – für religiöse Toleranz und Entfaltungsfreiheit, gegen die Sklaverei – trugen Früchte, in Missouri entstand ein intellektuelles Zentrum, das bis heute wirkt.

  • Aufbruch in die Utopie. Ausstellungsreise auf den Spuren einer
  • deutschen Republik in den USA (2013 – 2015)
  • 1. November – 30. Dezember 2013
  • KiZ Kultur im Zentrum, Lonystraße 2, 35390 Gießen
  • Öffnungszeiten Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
  • Telefon 0641 / 3061540
  • www.aufbruch-in-die-utopie.net
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