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bewegt und angekommen

Die Sammlung abstrakter Expressionisten, vor allem des amerikanischen Hard Edge, der Minimal- und Konzeptkunst, sowie europäischer Vertreter des Informel und Tachismus gehört zu den singulären Beständen des Wiesbadener Landesmuseums. Der gezielte Sammlungsaufbau, der schon vor Jahrzehnten mit Blick auf weniger marktgängige Positionen begonnen wurde, hat zu einer herausragenden Kollektion von Nachkriegs- und zeitgenössischer Kunst geführt.

In der Reihe amerikanischer Malerei, zu der unter anderem Arbeiten von Robert Mangold, Brice Marden, Ellsworth Kelly und Gary Kuehn zählen, ist auch schon ein kleiner Bestand mit Werken von David Novros (*1941) zu finden. Der in Kalifornien geborene Maler, Freund und Kollege von Donald Judd und Brice Marden, arbeitet seit den 1960er Jahren in New York. Er war Mitglied des Künstlerkollektivs Park Place Gallery und gehört zu den eher zurückgezogenen Protagonisten der Farbfeldmalerei und des Hard Edge. Novros’ starkes Interesse an Architektur und Malerei, speziell der europäischen, und aber auch der nord- und mittelamerikanischen indigenen Kunst- und Kulturgeschichte, prägt seine großformatigen shaped canvases, Wandmalereien und Fresken: Architektur, Raum, Leinwand und taktile Oberflächen immer zueinander in Bezug gesetzt.

Nach der umfassenden Werkschau 2013 haben der Künstler und ein Privatsammler dem Wiesbadener Haus zwei Arbeiten als Schenkung überlassen; ein drittes Werk, Untitled (Graham Studio Mural I) (Abbildung oben), von 2006 wurde jetzt hinzugekauft. Ein besonderes Stück, nahezu drei mal drei Meter groß, das Novros ursprünglich für das Atelier des kalifornischen Bildhauers und Freundes Robert Graham (1938 – 2008) gemalt hatte. Als eines der wenigen – mobilen – Tafelbilder, die er in den vergangenen Jahren angefertigt hat, konnte Novros es nach Grahams Tod wieder zurücknehmen. Als neuen, stimmigen Ort für dieses Bild hat David Novros das Museum Wiesbaden ausgewählt. — Im Sammlungsschwerpunkt Alte Meister konnte mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung noch ein weiteres Gemälde für das Museum Wiesbaden gesichert werden. Der Gang nach Bethlehem (Abbildung rechts), ein Schlüsselwerk des Malers und Münchener Secessionsvorstandes Fritz von Uhde (1848 – 1911), kam als Schenkung aus der Privatsammlung Rose und Friedrich Klein schon 1980 in das Haus. Nach einer Suchmeldung in der Lost-Art-Datenbank musste das Werk als mutmaßliches NS-Raubgut eingestuft werden. Die am Wiesbadener Museum angesiedelte Zentrale Stelle für Provenienz-Forschung in Hessen hat die Geschichte des Bildes aufgeklärt und alle Rechtsanforderungen für eine Restitution festgestellt.

Die neutestamentarische Szene, die Fritz von Uhde im Milieu einfacher Leute angesiedelte, entstand 1890 im direkten Auftrag von Rudolf Mosse (1843 – 1920). Der prominente deutsch-jüdische Verleger besaß eines der größten Presseverlagshäuser in der Weimarer Republik und auch eine hervorragende Kunstsammlung mit eigener Adresse am Leipziger Platz in Berlin. In mehreren, seit 1908 herausgegebenen Katalogen zu dieser Privatsammlung ist Uhdes Gemälde vermerkt. Der Mossesche Medienkonzern brach 1929 mit Beginn der Weltwirtschaftskrise massiv ein und wurde durch rassistisch motivierte Boykotte schon vor 1933 in den Konkurs gezwungen. Im Zuge der durch das NS-Regime eingeführten Enteignungen jüdischer Vermögen wurde der Erbin Rudolf Mosses, Felicia Lachmann-Mosse, der gesamte wirtschaftliche und private Besitz entzogen, die Kunstsammlung wurde 1934 durch Zwischenhändler bei kollaborierenden Händlern verauktioniert. Wie das Gemälde schließlich in den Besitz der zuletzt in Wiesbaden ansässigen Eheleute Klein gelangte, konnte bisher nicht abschließend nachvollzogen werden.

Von Uhdes Werk, das im Spannungsfeld zwischen Realismus und Impressionismus verortet wird, gehört zu den wichtigen deutschen Positionen im späten 19. Jahrhundert. Nach seiner Restitution an die Erbengemeinschaft nach Rudolf Mosse wurde es in diesem Jahr offiziell angekauft und nimmt jetzt seinen Platz als Bindeglied zwischen dem deutschen Impressionismus und der Moderne in der Schausammlung des Museums wieder ein.

  • David Novros: Untitled (Graham Studio Mural I), 2006
  • Fritz von Uhde: Der Gang nach Bethlehem, 1890
  • Museum Wiesbaden
  • Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
  • Friedrich-Ebert-Allee 2
  • 65185 Wiesbaden
  • www.museum-wiesbaden.de
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