Sammlung Dr. Annedore Müller-Hofstede, Berlin
Deckeltasse und Untertasse mit Lotte- und Wertherdarstellungen, Meißen, um 1790 ©
Sammlung Dr. Annedore Müller-Hofstede, Berlin
Werther-Porzellan ©

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die unendliche geschichte

Inzwischen trinkt ja fast jeder seinen Bürokaffee aus einer Tasse, von der Queen Mum selig oder der eigene Gatte hold herüber lächeln. Wem das zuviel ist den ganzen Tag über, der greift vielleicht lieber zu einem Merchandisingprodukt von FC Barcelona, bewährt und gut für die Ewigkeit. In jedem Fall aber befinden wir uns mit diesen bildkunstgewerblichen Gefäßen in einer Jahrtausende alten Tradition.

Es gab natürlich immer schon auch die Sammlerstücke, die in die Vitrine gehören und nicht auf den Schreibtisch. Zu den Herzstücken der Städtischen Museen Wetzlar zum Beispiel zählen Einzeltassen und ganze Services so genannten Literaturpor­zellans, das im Zeitalter der Empfindsamkeit mit Motiven aus Goethes ­Erfolgsroman Die Leiden des jungen Werther dekoriert wurde. Das Büchlein mit autobiografischem Hintergrund verfasste er nach seiner Zeit als Rechtsreferendar in Wetzlar. Es erschien 1774 und löste einen regelrechten Wertherkult aus. Nach der Herausgabe der zweiten, überarbeiteten Fassung 1787 bordeten die Szenen aus der Liebesgeschichte zwischen Werther und Lotte von grafischen Illustrationen auch auf Porzellan, Schmuck und andere Accessoires über.

Wertherporzellan wurde ex­­klusiv in der Meißener Porzellan­manufaktur nach hauseigenen Entwürfen produziert und als kost­- bares Freundschaftsgeschenk auf den Markt gebracht. In einer Ausstellung und einem als Nachschlagewerk ausgelegten Kata­log­­buch nimmt sich derzeit das Stadt- und Industriemuseum Wetzlar der komplexen Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses historischen Modephänomens an.

  • Werther-Porzellan
  • Bis 27. September 2009
  • Städtische Museen Wetzlar
  • Stadt- und Industriemuseum
  • Lottestraße 8 – 10
  • 35578 Wetzlar
  • Telefon 06441 / 99 41 31
  • Öffnungszeiten Di – So 10 – 13 Uhr und 14 – 17 Uhr
  • www.wetzlar.de
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