© VG Bild-Kunst, Bonn, 2021, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Wolfgang Fuhrmannek
Joseph Beuys: Ulysses, Ausstellungsansicht mit gescannten und vergrößerten Doppelseiten von Joseph Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den Ulysses um sechs weitere Kapitel, 1957–1961, Landesmuseum Darmstadt ©

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Im Todesjahr Joseph Beuys’ (1921–1986) wurden die ersten zwei der sechs insgesamt 750 Seiten starken Hefte von Joseph Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den Ulysses um sechs weitere Kapitel (1957–1961) aufgeknüpft, aufgeschnitten und ausgestellt. Unwillkürlich drängt sich der Gedanke an Penelope – Ehefrau des Odysseus – auf, die ihr ewig gewirktes Werk, ein Leichentuch, jede Nacht auflöst, um erneut damit zu beginnen. Diese manische Transformation eines Stoffes zu immer neuen Zusammenhängen, bekannten und neuen Mustern und Formen, zeichnet auch das Werk Joseph Beuys’ aus. Das Auflösen und Ineinanderwirken des eigenen Lebens und Werks oder desjenigen anderer ist eines der gestaltenden Prinzipen des Künstlers.

Im ersten Jahr der Entstehung seines Ulysses 1957 hatte sich der Künstler aufgrund einer Krise auf einen Bauernhof zurückge­zogen. In seinem Lebenslauf Werklauf heißt es für die Jahre „1956–1957: Joseph Beuys arbeitet auf dem Felde“. Die Ver­bindung mit Odysseus erscheint naheliegend, schützt doch der griechische Held Wahnsinn vor, indem er den Strand mit einem Pflug bearbeitet. Als Odyßeus betitelt Beuys eine Zeichnung aus dem Jahr 1957. Man darf das ß hier auch als ein B lesen: Odysseus ­= OdyBeus. In den nächsten Jahren entstehen mit der Erweiterung des Ulysses sechs Hefte, in denen Beuys in zarten, abstrakten und gegenständlichen Zeichnungen Assoziationsketten zusammenwirkt, in denen sich zahlreiche im späteren Werk wiederkehrend Motive und Themenfelder verdichten.

Sensationell und außergewöhnlich ist die Gelegenheit, die es jetzt in Darmstadt am Schopfe zu packen gilt: Das Landesmuseum zeigt neben dem Block Beuys in einer Sonderausstellung Beuys’ kompletten Ulysses. Während nur die Seiten aus den Heften eins und zwei im Original zu sehen sind, ist der Inhalt aller Hefte digital zugänglich. Dank einer neuen Scantechnik sind die Doppelseiten gestochen scharf darstellbar, sodass selbst die diaphanen Bezüge der durchscheinenden Zeichnungen auf den Scans erhalten bleiben. Die Ausstellung präsentiert Einblicke in James Joyce’ nichtlinearen, additiven und assoziativen Arbeitsprozess, zeigt Bezüge auf, in denen Beuys das eigene Arbeiten mit dem des irischen Autors verwebt, und spürt Motiven wie Pflug, Schlitten oder Mythen nach, die Beuys in seinem Werk beschäftigten. Eine komplette Edition des Ulysses ist geplant, von der man sich neue Impulse für die Beuys-Forschung erhoffen darf.

  • Hessisches Landesmuseum Darmstadt
  • Joseph Beuys. Ulysses
  • 30. Juni 2021 bis 26. September 2021
  • Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
  • Telefon +49 6151 1657000
  • Di, Do, Fr 10 – 18, Mi 10 – 20, Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr
  • hlmd.de
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