Foto: Waddington Custot, London, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Joseph Beuys, Vitrine Boxkampf für die direkte Demokratie, 1972, Detail ©

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im ring

Den Boxkampf für die direkte Demokratie, live ausgetragen am 8. Oktober 1972 zwischen Joseph Beuys (1921–86), Kunstprofessor, und Abraham David Christian (*1952), Kunststudent, gewann Beuys unter reger Anteilnahme des Publikums nach Punkten in drei Runden. „Wegen der direkten Treffer für direkte Demokratie“, wie der Ringrichter, Künstler und Amateurboxer Anatol Herzfeld (*1931) verkündete.

Schauplatz der Veranstaltung war, am letzten Tag der legendären, von Harald Szeemann organisierten documenta 5, das Museum Fridericianum, darin der Denkraum des französisch-schweizer Konzept-Künstlers Ben Vautier. Der Herausforderung durch den Kunststudenten war eine hitzige Debatte zwischen den beiden Kontrahenten vorausgegangen über die Frage direkte Demokratie durch Volksabstimmung vs. demokratisch gewählter Parteienstaat. Beuys, der seit 1964 prominent auf allen documenta-Ausstellungen vertreten war, hatte 1972 sein Düsseldorfer Informationsbüro der Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung für 100 Tage nach Kassel verlegt: Täglich anwesend und in der Diskussion mit Besuchern realisiert Beuys seinen erweiterten Kunstbegriff – eine erste soziale Plastik im Museum.

Vielleicht haben Sie damals selbst am Ring gestanden oder später die aktionsbegleitende Filmdokumentation von Walter Cuntze verfolgt, die in der Edition ZKM verschiedentlich schon im Frankfurter MMK Museum für Moderne Kunst präsentiert wurde. Wie auch immer Ihr Zugang sich gestaltet – für alle Verfechter von Demokratie und kreativer Debattenkultur gibt es hier eine gute Nachricht: Aus der Reihe der Beuysschen Vitrinenarbeiten ist die dem Ereignis nachfolgende Aktionsplastik mit den Requisiten des Boxkampfes von 1972 auf dem Kunstmarkt wieder angeboten und für das MMK angekauft worden.

Das Werk bereichert nicht nur die Frankfurter Beuys-Sammlungen um eine wichtige gesellschaftspolitische Arbeit. Es steht für das außergewöhnliche Engagement mit internationaler Ausstrahlung einer der streitbaren Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit. Sein Werk erscheint heute aktueller denn je. In der Schausammlung des MMK1 zu sehen ab 27. Oktober 2018.

  • Joseph Beuys
  • Vitrine Boxkampf für die direkte Demokratie, 1972
  • MMK Museum für Moderne Kunst
  • Domstraße 10 · 60311 Frankfurt am Main
  • Telefon 069 / 21230447
  • Öffnungszeiten Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
  • www.mmk-frankfurt.de
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