© Ernst May Gesellschaft
Ernst May: Kopfbau Hadrianstraße, Siedlung Römer­stadt, 1928 ©
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Ernst May in Ostafrika, 1937 ©

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Er gilt als eine Art Godfather des modernen Städtebaus, der, was die Realisierungsquote betrifft, noch die Bauhaus-Architekten auf die Plätze verweist. Dementsprechend umfangreich erscheint auch die Bibliografie zu Leben und Werk des Architekten, Stadtplaners und Sozialreformers Ernst May (1886 – 1970). Was fehlte, war eine kritische Sichtung des Gesamtwerks und der eng mit dem Zeitgeschehen verwobenen persönlichen Geschichte des in Frankfurt geborenen Baumeisters. Das Deutsche Architektur­museum hat sich, nach zwei früheren Ausstellungen zu Teil­aspekten, anlässlich seines 125. Geburtstages eine solche umfassende ­Retrospektive vorgenommen.

Nach einem Architekturstudium in Darmstadt und München lernte May die Idee der in die Natur eingebetteten Gartenstadt, die zu seinem Credo einer vorbildlich gestalteten, sozialen Großstadtbebauung werden sollte, in England kennen. Er machte sich 1912 mit einem eigenen Büro in Frankfurt selbstständig. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten seine sehr erfolgreiche Tätigkeit in Breslau als technischer Leiter einer Siedlungsgesellschaft, 1925 dann die Berufung nach Frankfurt als Stadtrat zum Dezernenten für Städtebau. Ausgestattet mit weitreichenden Befugnissen entwickelte und realisierte Ernst May dort zusammen mit dem reform­freudigen Oberbürgermeister Ludwig Landmann das international richtungsweise Wohnungsbauprogramm Neues Frankfurt: In nur wenigen Jahren entstanden rund 16 000 Wohnungen auf der grünen Wiese rund um die Stadt, in den Siedlungen Römerstadt, Praunheim, Niederrad, Bornheimer Hang und Westhausen.

1930, als die Weltwirtschaftskrise das Modell Frankfurt beendete, übersiedelte Ernst May auf Einladung der UdSSR nach Moskau und entwarf dort Bebauungspläne für verschiedene ­sowjetische Städte sowie einen Generalplan für Moskau. Nach politischen Zerwürfnissen verließ er das Land 1933 und wanderte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zunächst nach Tansania, dann nach Kenia aus. In zwei Jahrzehnten entstanden dort neben Wohn-, auch Hotel- und Museumsbauten im noch kolonialen Umfeld. 1954 kehrte Ernst May als Leiter der Planungsabteilung der Neuen Heimat nach Hamburg zurück und hinterließ als freier Architekt ab 1956 in Kooperation mit dem Wohnungsbaukonzern noch eine Reihe von gewaltigen Großsiedlungen im westlichen Deutschland.

Sein Konzept der dezentralen Trabantensiedlungen, die Standardisierung und Vorfertigung von Wohnbauten in Plattenbauweise, natürlich auch die berühmte Frankfurter Küche, die die junge Margarete Schütte-Lihotzky, damals Mitstreiterin im Mayschen Team, als Prototyp der modernen Einbauküche entwarf, gehören zu den Inkunabeln des Neuen Bauens. Aber längst auch sind die Kehrseiten der Massenwohnmaschinen bekannt: die Monotonie, die Tristesse, die Ghettoisierung der Bewohner in den Banlieues der Großstädte.

  • Ernst May (1886 – 1970). Neue Städte auf drei Kontinenten
  • Bis 6. November 2011
  • Deutsches Architekturmuseum
  • Schaumainkai 43
  • 60596 Frankfurt am Main
  • Telefon 069 / 212 3 88 44
  • Öffnungszeiten Di, Do – Sa 11 – 18 Uhr,
  • Mi 11 – 20 Uhr, So 11 – 19 Uhr
  • www.dam-online.de
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