© Fotografie: Deutscher Pavillon
Helene Duldung und Natascha Süder Happelmann: Ankersentrum ©

To our foreign readers: We regret that only selected contents are available in english language.



symphony for the lost

Bis 24. November gibt es in Venedig wieder internationales Kunstgeschehen anzusehen – und mehr denn je zu diskutieren. Allenthalben politische Kunst, an allen Spielplätzen der 58. Bien­nale­­: Identitätsfragen, Migration, Chancengleichheit und Ökologie sind drängende Themen der globalisierten Gegenwart. Der öffentliche Diskurs sei in vielen Ländern so polarisiert, dass Menschen mit unterschiedlichen Meinungen in Paralleluniversen zu leben scheinen, so Ralph Rugoff, Hauptkurator der diesjährigen Biennale anlässlich der Eröffnung. Sie könnten nicht mehr miteinander sprechen, und sich nicht mehr auf die gleichen Tatbestände beziehen. In dieser Situation komme der Kunst eine besondere Rolle als Vermittlerin für die Komplexität menschlichen Daseins zu.

Auch der deutsche Pavillon, kuratiert von Franciska Zólyom, Direktorin der Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig, wartet mit einem skulptural zugespitzten Beitrag zur politischen Situation auf. Natascha Sadr Haghighian aka Natascha Süder Happelmann, frühere Reisestipendiatin der Stiftung und Urheberin der Biografie-Tauschbörse bioswop.net, wird medial mit Steinhaupt und in Begleitung ihrer Sprecherin Helene Duldung repräsentiert. In Kooperation mit einem internationalen Team aus Musikern und weiteren Künstlern hat sie den deutschen Pavillon in ein Ankersentrum verwandelt. Sie bedient sich einer machtvollen, scheinbar eindeutigen und reduzierten Bild- und Metaphernsprache und inszenierte eine abweisende Architektur mit klaren Strukturen, doch instabilen Stützbauten, Landschaftselementen, Klängen unterschiedlichster Natur, Trillerpfeifen und weiteren Versatzstücken, die auf die erbärmlichen Daseinsbedingungen für Asylsuchende verweisen und für die Dauer der Schau fortgesetzt umarrangiert werden.

Ankersentrum – Surviving the Ruinous Ruin ist der Katalog zum deutschen Biennalenbeitrag überschrieben. Mit Interviews, Zeichnungen, Bild- und Textbeiträgen und einer Bilderreise der Künstlerin Natascha Süder Happelmann liegt ein Begleitband als wichtige Ergänzung für das Verständnis dieses künstlerischen Konzeptes vor.

Der Katalog ist bei Archive Books, Berlin unter der ISBN 978-3-948212-03-2 erschienen.

Subscribe maecenas, the foundations' quarterly magazine.