© Leonard Kahlcke, Frankfurt am Main
Leonard Kahlcke ©

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stipendiat
leonard kahlcke

Ästhetische Codes definieren Zugehörigkeiten und Ausschlüsse sowohl in sozialen als auch in politischen Räumen; sie schaffen gesellschaftliche Normierungen, mit denen sich der Frankfurter Künstler Leonard Kahlcke (*1975) kritisch beschäftigt. In seinen interdisziplinären Arbeiten untersucht er Phänomene in der visuellen Kultur, der Mode und anderen Bereichen der Konsumindustrie mit dem Ziel, auf Strategien des Widerstands und der Einflussnahme hinzuweisen bzw. solche zu entwickeln. Kahlcke hat 2009/10 im Rotterdamer Atelier der Hessischen Kulturstiftung gearbeitet. Dort ist eine Herrrenschuh-Kollektion entstanden, die er uns im Folgenden präsentiert. 

Die Herrenschuh-Kollektion Your Five Gallants ist benannt nach dem gleichnamigen, 1607 entstandenen Theaterstück von Thomas Middleton. Sie besteht aus sieben Schuhpaaren, für die die einzelnen Charaktere des Stücks als Inspiration und Namensgeber dienten. Sie befasst sich mit dem Alten und Neuen, Gegenwärtigem und Vergangenem, Avantgarde und Tradition und ist dabei losgelöst vom gängigen Zusammenhang der Schuhproduktion zu betrachten.

Für meine Gestaltung war es wichtig, einen avantgardistischen Ansatz zu verfolgen und nicht Trends zu kreieren, welche ja klar dem Modekontext zuzuordnen wären. In der Arbeit geht es also darum, grundlegende längerfristige Veränderungen zu schaffen. Interessant dabei war für mich die Auseinandersetzung mit den Gestaltungsmerkmalen von klassischen Herrenschuhen, an diesen ist besonders gut die Verbindung von Traditionsmerkmalen und dem, was aktuell in der Mode verhandelt wird, zu erkennen.

Ich versuche hier die Gestaltungsmerkmale, welche Tradition geworden sind, aufzubrechen, um sie mir zu eigen zu machen und selber etwas zu schaffen, was in Zukunft als Traditionsmerkmal anerkannt werden kann. Die Geschichte bleibt hier nicht Zitat, sondern wird angeeignet.

Ich denke, Avantgarde ist (in diesem Zusammenhang) immer das, was einen veranlasst, die angeblich gesicherten Bestände der Tradition auf neue Weise zu sehen, um dann neue Traditionen aufzubauen, auch wenn das vielleicht altertümlich klingen mag.

In der Gegenwart wird die Vergangenheit für die Zukunft immer wieder neu verhandelt, das gilt für die Kunst wohl ebenso wie für die Mode.

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