© Donna J. Wan
Donna J. Wan: Golden Gate Bridge (#6), aus der Serie Death Wooed Us ©
© Donna J. Wan;
Donna J. Wan: Golden Gate Bridge (#6) aus der Serie Death Wooed Us ©

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tabuisiert

„Don’t push me, I am not OK“, singen Corin Tucker und Carrie Brownstein, während Janet Weiss am Schlagzeug hämmert. Der Song Jumpers aus dem Jahr 2004 der Indie-Band Sleater-Kinney handelt vom Suizid durch einen Sprung von der Golden Gate Bridge, einer der bekanntesten Suicide Destinations der Welt. Die Künstlerin Donna J. Wan hat in einer Serie von Fotografien – Death Wooed Us – solche Orte aufgesucht und lässt die Betrachter*innen einen Blick werfen auf tief liegende Wasseroberflächen oder die Augen in die Weite des Horizonts greifen. Bilder ihrer Serie sind Teil der Ausstellung Suizid – Let’s talk about it! im Museum für Sepulkralkultur in Kassel, die seit dem 10. September, dem Tag der Suizidprävention, den Dialog über Suizid pflegen möchte.

Der Diskurs über Suizid ist zwischen zwei extremen Polen angelegt: vom tabuisierenden, pathologisierten Schweigen bis hin zu romantischer Verklärung. Das Thema ist besetzt von tiefer Trauer, Scham, Angst, Faszination und Unwissenheit über die Ursachen, die in einem Netz aus psychischen Voraussetzungen wie auch privater und gesellschaftlicher Bürde aufgespannt sind. Die Weltgesundheitsorganisation sieht im Sprachtabu über Suizid und seine Ursachen eines der größten Hindernisse für die Prävention.

An der Golden Gate Bridge wird zurzeit ein Netz installiert, das Springende auffangen oder ganz vom Sprung abhalten soll. Die Installation eines Netzes ist nicht zuletzt der öffentlichen Diskussion um die Suizide an der Brücke geschuldet und zeigt, wie wichtig eine öffentliche Debatte des Themas ist.

Die Ausstellung im Museum für Sepulkralkultur zeigt Beispiele aus Kunst- und Kulturgeschichte, in denen sich die vielfältigen Problemlagen spiegeln, die zu einem Suizid führen können. Dabei spielen psychosoziale Ursachen, religiöse Motive und traumatische Erfahrungen durch Vertreibung und Migration eine Rolle. Visuelle Präsentationen des Themas, wie es sich in den Geistes-, Sozialwissenschaften und der Medizin darstellt, ergänzen die Schau.
„Etwas hält mich vom Selbstmord ab“, notierte Oskar Schlemmer 1913 auf einem Zettel. Damals war der spätere Bauhaus-Meister 23 Jahre alt. Dieses „Etwas“ versucht die Ausstellung, in der Schlemmers Notiz ein Exponat ist, sichtbar zu machen. Es ist nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit Kunst, die eine tabulose Diskussion anzuregen vermag.

  • Museum für Sepulkralkultur
  • Suizid – Let’s talk about it!
  • bis 3. April 2022
  • Weinbergstraße 25—27, 34117 Kassel
  • Di, Do—So 10 —17 Uhr, Mi 10—20 Uhr
  • www.sepulkralmuseum.de
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