Historische Aufnahme des Neuen Saals im Schloss Bad Homburg © LAGIS; Pickelhaube mit Einschussloch © bpk, Museum europäischer Kulturen, SM, Foto: Ute Franz-Scarciglia;
Historische Aufnahme des Neuen Saals im Schloss Bad Homburg, 1905 Pickelhaube mit Einschussloch ©

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vor ort

Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt / Vom allerhöchsten Witze! / Ein königlicher Einfall war’s! / Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze!, schreibt Heinrich Heine ironisch über den Helm mit Spitze, gemeinhin bekannt als Pickelhaube, im Jahr 1844 – rund 30 Jahre vor der Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871, als dessen ambivalentes Sinnbild der Helm heute gelten darf.

Während die Einführung des leichten Kopfschutzes aus Leder in die preußische Armee 1843 eine technische und konstruktive Innovation bedeutete, steht der Helm heute nicht mehr für militärisches Know-how. Er wurde mit der Zeit zum Sinnbild eines übertriebenen, unheilvollen Militarismus, der das Verständnis des Kaiserreichs bis heute prägt. Außerdem diente er schon früh als beliebtes Mittel karikierenden Spotts, dem sich auch Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) ausgesetzt sah.

Auch auf historischen Fotografien ist der letzte Deutsche Kaiser häufig mit Pickelhaube zu sehen, zum Beispiel auf einer Aufnahmen mit Familie vor dem Schloss Bad Homburg. Dort bekommen Besucher und Besucherin heute dank der einzigartigen kaiserlichen Appartements einen Eindruck von der Zeit des Kaiserreichs, deren ambivalenter Kontext sich jedoch nicht so einfach erschließen lässt. Forschung und Vermittlung hat sich deshalb eine Tagung im Schloss Bad Homburg auf die Fahnen geschrieben. Unter dem Titel Das Kaiserreich vermitteln: Brüche und Kontinuitäten seit 1918 beschäftigen sich renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Torsten Riotte mit der Rezeption des Kaiserreichs. Denn seit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das deutsche Kaiserreich in verschiedene historische Kontexte zwischen Demokratie und Diktatur, Moderne und Historismus, Innovation und Tradition eingespannt. Im Fokus der Tagung stehen diese zeitgleichen, widersprüchlichen Entwicklungen sowie ihre kritische Aufarbeitung und Vermittlung, die sich nicht zuletzt gegen die drohende Vereinnahmung der Kaiserzeit von rechts richtet.

Mit dem Kaiserreich ging 1918 auch die Pickelhaube unter. Die Schrecken des Ersten Weltkriegs verleihen Heines Zeilen von 1844 in Nachhinein einen prophetischen Klang: Nur fürcht ich, wenn ein Gewitter entsteht, / Zieht leicht so eine Spitze / Herab auf euer romantisches Haupt / Des Himmels modernste Blitze! Die lederne, auffällige Pickelhaube bot im Ersten Weltkrieg keinen Schutz mehr vor den modernen Vernichtungswaffen und wurde durch den Stahlhelm abgelöst.

  • Das Kaiserreich vermitteln: Brüche und Kontinuitäten seit 1918
  • Internationale Tagung und begleitende Publikation
  • 21. und 22. Juni 2021 (Teilnahme digital möglich)
  • Staatliche Schlösser und Gärten Hessen
  • Tagungsort: Schloss Bad Homburg
  • Anmeldung per E-Mail bis zum 16. Juni 2021 an:
  • kaiserreich-tagung@schloesser.hessen.de
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