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sommer 2008

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

die Kolleginnen und Kollegen vom Hessischen Rundfunk haben mit dem Hörfunkformat Gib mir das Gefühl zurück – Musik und Zeitgeschichte aus den 60er, 70er und 80er Jahren den Nagel auf den Kopf getroffen: Mit dem nachdrücklichen Imperativ kann wahrscheinlich jeder/jede etwas verbinden: Es muss nicht notwendig eine Musik aus den genannten Jahrzehnten sein. Es wird sich aber in jedem Fall um etwas handeln, das sich rauschhaft, ekstatisch und sehr lebendig angefühlt. Man will es wieder haben und wieder und wieder. Es fehlt, wenn es nicht da ist. Wenn Sie jetzt an Erotisches denken, soll uns das recht sein. Wir möchten im Sinne unseres Auftrages das kulturpraktische Spektrum nur etwas weiter fassen: Nennen wir dazu das Gefühl, das manchmal da ist und häufi ger gesucht wird, Leidenschaft. Sie ist dabei, wenn man nach langem Nachdenken plötzlich etwas begreift, eine Lösung fi ndet für eine Aufgabe, ein Problem, wenn etwas gelingt. Wenn dafür etwas Altes, Überkommenes zerstört, ein Rahmen gesprengt werden musste. Leidenschaften haben nicht durchgehend einen guten Ruf, was sich aus dem vorübergehenden Verlust von Kontrolle und Berechenbarkeit erklären ließe. Selbst etymologisch besehen hatte das Verb leiden zunächst die Bedeutung von gehen, reisen, sich in Bewegung setzen, bevor es mit dem sprachhistorisch nicht verwandten Leid und der christlichen Leidensgeschichte, der Passion, in Verbindung gebracht wurde. Durchbrüche in der Wissenschaft, innovative künstlerische Konzepte oder gesellschaftliche Veränderungsprozesse, wie die Studentenrevolten 1968 oder der Fall der Mauer 1989, sind wohl ohne ein intensives Movens nicht zu realisieren. Mit dem Plädoyer für ein Denken, Fühlen und Handeln über die Grenzen hinaus möchten wir Sie in den hoffentlich langen Sommer entlassen – natürlich nicht ohne Hinweise auf vier außergewöhnlichen Ausstellungen zum Thema. Und auch nicht, bevor Sie das Interview mit unserem Stipendiaten Ernst Stark gelesen haben. Auf Ihren Wegen möge Sie Athena nebst Eule kampetent begleiten, die Göttin der Städte, der Kriegstaktik und der Weisheit, Schirmherrin der Künste und Wissenschaften und Erfinderin der Flöte.

Claudia Scholtz
Gesch.ftsführerin

retrospective

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